Großes Interesse am Vortrag über Ingwer von Dr. Elke Puchtler im Apothekenmuseum

Auch dieses Jahr konnte das Miltenberger Apothekenmuseum die Diplom-Biologin und Arzneipflanzen-Expertin Dr. Elke Puchtler aus Erlangen für einen Vortrag über die „Arzneipflanze des Jahres“ gewinnen. Für das Jahr 2026 hatte eine Arbeitsgruppe der Universität Würzburg den Ingwer gewählt.

Dr. Elke Puchtler und Karl Enk beim Vortrag über die Arzneipflanze des Jahres

Ihre Ausführungen am Freitag, den 9. Oktober 2026, gliederte Frau Dr. Puchtler im voll besetzten Vortragssaal des Apothekenmuseums in vier Punkte: die Botanik, die Geschichte der Pflanze, die Handelswege nach Europa sowie moderne wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verwendung.

Die Referentin stellte den Ingwer (Zingiber officinale) als eine bis zu zwei Meter hoch wachsende Pflanze mit schilfartigen Blättern vor, die in Südchina und Indien in tropischer, warmer und feuchter Umgebung beheimatet ist. Verwendet wird das Rhizom, der dicke Wurzelstock. Er enthält verschiedene Inhaltsstoffe, speziell Gingerole. Ingwer ist bekannt für einen scharfen, würzigen Geschmack und wird deshalb gerne auch als Gewürz verwendet. Aber schon lange ist bekannt, dass die Wurzelknolle auch die Gesundheit fördert.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der Ayurweda Gesundheitslehre aus Indien ist schon seit 4000 Jahren die im Bauch- und Brustraum wärmende Wirkung bekannt, die zu einer Harmonie in der Mitte des Körpers mit Magen, Milz und Lunge führe.

Aus dem südasiatischen Raum wurde vor über 2000 Jahren Ingwer auf verschiedenen Routen Richtung Norden exportiert. Die erste Route führte nach Mesopotamien und die berühmte Stadt Dilmun, wo heute Bahrein liegt. Eine zweite Route führte über das rote Meer nach Alexandria. Später gelangte Ingwer auf einem dritten Weg nach Griechenland und Italien. Dort wurde Venedig um das Jahr 1.000 n. Chr. der Dreh- und Angelpunkt für den Gewürzhandel und ab 1200 n. Chr. wurde dann Nürnberg Gewürzzentrum: immer war Ingwer dabei. Wegen der langen Handelswege war Ingwer sehr teuer und es bestand die Gefahr einer Verderbnis.

Heute ist Ingwer eine der wissenschaftlich am besten untersuchten Heilpflanzen. Es wird unterschieden nach frischem und getrocknetem Ingwer. Der frische Ingwer hat nachweislich eine sehr gute Wirkung gegen Übelkeit, z.B. Reisekrankheit. Der getrocknete Ingwer hat mehr Schärfe und wirkt sehr positiv auf die Verdauung. Weiterhin ist eine Stärkung des Immunsystems nachgewiesen, weswegen Ingwer auch vorbeugend gegen Erkältungskrankheiten empfohlen wird. Zur Zeit laufen wissenschaftliche Studien über die positive Wirkung bei Frühformen des Diabetes und bei entzündlichen Erkrankungen des Gelenkapparates.

Interessant war auch der Hinweis auf den Anbau von Ingwer in Süddeutschland, z.B. in Bamberg, wo die Pflanze unter geeigneten Bedingungen mit Wärme und genügend Feuchtigkeit kultiviert wird.

Frau Dr. Puchtler gab zum Schluss noch Anwendungsempfehlungen, z.B. zur Mischung von Ingwer mit Curcuma und Pfeffer und die Oxymel Mischung, wo Ingwer in Honig und Essig gegeben wird.

Frau Dr. Puchtler als Referentin und Karl Enk als Veranstalter des Abends freuten sich über das sehr große Interesse der Zuhörer.

Schriftliche Informationen zum Ingwer gibt es weiterhin im Miltenberger Apothekenmuseum.

Artikel ebenfalls veröffentlich bei "Meine News" unter: https://www.meine-news.de/miltenberg/c-kultur/grosses-interesse-am-vortrag-ueber-ingwer_a246289